Problemfall Reis

Malerische Reisterrassen auf den Philippinen

Knapp die Hälfte der Weltbevölkerung ernährt sich von Reis. Aber Reis und Klimawandel stehen miteinander auf Kriegsfuß. Zum einen schadet der Klimawandel dem Reis, zum anderen beschleunigt der Reisanbau die Erderwärmung. Der erhöhte CO2-Gehalt in der Luft lässt Reis zwar schneller wachsen, aber mit dem Ergebnis, dass er weniger Nährstoffe enthält. Der Anteil an wichtigen B-Vitaminen, Zink und Proteine nimmt ab – eine fatale Entwicklung für die Ärmsten der Weltbevölkerung. Bei gleicher Nahrungsmenge sättigt der Reis nicht mehr.

Andererseits bauen viele Kleinbauern in Asien und Afrika Reis traditionell an. Sie leben vom Reisanbau. Die Reisfelder stehen ständig unter Wasser. An den Wurzeln der Reispflanzen leben Mikroben, die für die Bildung des Treibhausgases Methan (CH4) verantwortlich sind. Methan ist wesentlich klimaschädlicher als Kohlendioxid.

Um die Methanbildung zu reduzieren empfehlen Agrarwissenschaftler, die Reisfelder nicht ständig zu fluten, sondern Wasser nur periodisch einzuleiten. Diese modernisierte Anbaumethode führt tatsächlich zu weniger Methanausstoß.

Neuste Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass diese Art des Anbaus zu einem anderen Problem führt: Die Entstehung von Lachgas (N2O). Stickstoff wird abwechselnd im Boden gebunden und wieder freigesetzt. Dabei entsteht viel mehr N2O, etwa 30 – 45 mal so viel als bisher vermutet. Dieses Treibhausgas ist viel langlebiger als Methan und besitzt eine schädlichere Wirkung aufs Klima. Daher ist diese Anbaumethode inzwischen fraglich.

Weniger düngen und etwas weniger Wasser als beim traditionellen Anbau könnte das Problem eventuell lösen. Zumindest zeigen Feldversuche, dass diese Anbaumethode die Klimawirkung reduziert. Ein anderer Ansatz ist die Schaffung neuer Reissorten, bei denen, die in der Pflanze enthaltenen Zuckerverbindungen nicht mehr vorwiegend in der Wurzel sitzen, sondern auf die ganze Pflanze verteilt sind. Dadurch würde den Mikroben die Nahrungsgrundlage unter Wasser entzogen. Bei genmanipuliertem Reis ist das bereits gelungen, jetzt versuchen die Forscher, dies auch auf natürlichem Weg über Kreuzungen zu erreichen.

Eine weitere Alternative ist der Trockenreisanbau. Hierbei wird eine Unterart des heutigen Reises genutzt, der nicht an Überflutung angepasst ist. Dieser Anbau ist auch in Gebirgen bis zu 2000 Metern möglich. Ohne Wasser kann allerdings auch das Unkraut ungehemmt wachsen, so dass die Ernte gegenüber dem Nassanbau geringer ausfällt. Bei diesem Verfahren wird wenig Methan ausgestoßen, aber durch die niedrigeren Erträge stellt der Trockenreisanbau für die Weltbevölkerung kaum eine Alternative dar. Es ist zu hoffen, dass die Forscher schnell Lösungen finden.

Trockenreis ist teurer, wird aber wegen seines intensiveren Aromas geschätzt. Es gibt einige Anbaugebiete in der Schweiz und in Österreich, auch in Bioqualität. Wer es sich also finanziell leisten kann und will, kann klimafreundlicheren Risottoreis (Rundkornreis) aus diesen Gegenden kaufen. Erste Bauern versuchen auch Trockenreis in Deutschland anzubauen.

Die Angaben über die Emissionen von Reis variieren zwischen 3000 – 6000 Gramm CO2e pro 1 kg produziertem Reis. Geht man von etwas mehr als 6 kg aus, dann emittiert  ein Kilogramm Reis soviel wie 4 kg Teigwaren, 10 kg Polenta oder 20 kg Kartoffeln. Es bringt auch nichts, Nassreis aus Italien zu kaufen, da der Transport kaum in die Waagschale fällt. Am besten ist es, auf Reis zu verzichten oder ihn nur in begrenzten Mengen zu konsumieren. Oder eben auf den teureren Trockenreis umzusteigen.